ROOF-WATER-FARM Pilotanlage zur Nahrungsmittelproduktion und Herstellung von Flüssigdünger aus Abwasser

Handlungsfeld:Abwasser

Maßnahme:Ressourceneffizienz

Verbundvorhaben:ROOF WATER-FARM

Hintergrund

Häusliches Abwasser setzt sich im Alltag aus verschiedenen Wasserströmen zusammen. Die einzelnen Wasserströme sind unterschiedlich stark belastet und enthalten verschiedene Inhaltsstoffe wie Fäkalien, Speisereste oder Waschmittel. In gegenwärtigen Abwasserkonzepten belässt man es heute in der Regel bei der Aufbereitung
von Grauwasser (Dusche, Waschmaschine), während Schwarzwasser (Toilette, Küche) ungenutzt in den Kanal geleitet wird. Hierdurch konzentrieren sich die im Abwasser enthaltenen Nährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium größtenteils im Klärschlamm. Dieser wird heute jedoch wegen enthaltener Schadstoffe nur noch zu einem geringen Teil (rd. 29 %) landwirtschaftlich genutzt und stattdessen überwiegend verbrannt.

Somit geht ein Großteil des Nährstoffpotenzials aus dem Abwasser verloren. Innovative Wasserinfrastrukturansätze zielen darauf ab, Schwarzwasser hygienischsicher aufzubereiten und als urbane Düngerressource im Kontext des Urban Farming zu nutzen. Durch den Einbau eines getrennten Leitungssystems im Zuge städtebaulichen Neubaus und Bestandsumbaus ist auch die kostengünstige Reinigung von Grauwasser  mechanischbiologisch, Filter, UV-Licht) und Wiederverwendung als Betriebswasser möglich (z. B. für Toilettenspülungen, Waschmaschine oder zur Bewässerung). Das spart Trinkwasser ein und ermöglicht nachhaltige urbane Nahrungsmittelproduktion direkt vor der Haustür.

 

 

 

 

 

Produktbeschreibung

Die ROOF WATER-FARM Pilotanlage mit Gewächshaus und Wasserhaus befindet sich an einem IBA-Wohnbau-Projekt von 1987 in Berlin-Kreuzberg. Der sog. „Block 6“ wurde 2006 mit einem innovativen Wasserkonzept mit gebäudeintegrierter Grauwasseraufbereitung und Regenwasserverdunstung im Freiraum ausgestattet. Zum Projektstart wurde ein ROOF WATER-FARM-Gewächshaus im Hof des Block 6 mit einer Aquaponik-Teststrecke (kombinierte Fisch- und Pflanzenproduktion mit Betriebswasser aus der Grauwasseraufbereitung) und einer Hydroponik-Teststrecke (Pflanzenproduktion mit urbaner Flüssigdüngernutzung) aufgebaut.

Um die Hydroponik nachhaltig zu bewässern und zu düngen, wurde eine neue Miniatur-Kläranlage zur Aufbereitung des Schwarzwassers und Umwandlung in einen urbanen Flüssigdünger („Goldwasser“) konzipiert. Diese mehrstufige Pilotanlage bereitet einen Teilstrom des Toilettenabwassers von 50 Personen auf, deren Sechs-Liter-Spül-Stopp-WCs mit Betriebswasser aus der Grauwasseranlage betrieben werden. Dies entspricht 20 % der gesamten in Block 6 anfallenden Schwarzwassermenge. Hieraus entstehen täglich bis zu 1.500 Liter Flüssigdünger. Der produzierte Flüssigdünger sowie das gereinigte Grauwasser (Betriebswasser) werden vor Ort auf hygienische Qualität und Mikroschadstoffe untersucht. Aktuell werden Handlungsempfehlungen zu hygienischen Aspekten gebäudeintegrierter Farmwirtschaft in Verbindung mit gebäudebezogener Wasserressourcennutzung erarbeitet.

Rahmenbedingungen

  • Erforderliche Grauwasser- / Schwarzwassertrennung in den Gebäuden
  • Nutzbare Dach- oder Freiflächen im Umfeld zur Nahrungsmittelproduktion (Fisch, Obst, Gemüse)

Nutzen für die kommunale Praxis

  • Nahrungsmittelproduktion im urbanen Raum (Hydro- und Aquakulturen)
  • Trinkwassereinsparung / Abwasserreduktion
  • Produktion von Flüssigdünger

 

 

 

 

Kontakt
Dr. Grit Bürgow
TU Berlin
Tel.: +49 30 314280 93
E-Mail: grit.buergow@tu-berlin.de

Projekthomepage
www.roofwaterfarm.com